Im Fluss des Lebens fliessen auch die Tränen der Trauer
Je schöner und voller die Erinnerung,
desto schwerer ist die Trennung.
Aber die Dankbarkeit verwandelt die Erinnerung
in eine stille Freude.
Man trägt das vergangene Schöne nicht wie einen Stachel,
sondern wie ein kostbares Geschenk in sich.
Dietrich Bonhoeffer

"Die Trauer ist eine alte, ehrwürdige Dame, die beachtet, gesehen, gehört und wahrgenommen werden will."
Sie, die Trauer, ist sehr eigenwillig und gehört in die Familie der Gefühle, wie die Lebensfreude, Zufriedenheit, Scham und viele mehr.
Trauer ist eine spontane, natürliche, normale und selbstverständliche Reaktion unseres Körpers auf Verlust, Trennung und Abschiede. Es sind Emotionen, durch die wir Abschied nehmen können.
Die Trauerreaktion ist eine Fähigkeit, die uns angeboren ist. Sie begleitet uns ein ganzes Leben lang, von der Geburt bis zum Tod.
Abschied, Verlust und Trennung sind ständige Weggefährten im alltäglichen Leben. Zum Glück hat uns die Natur aber mit der Fähigkeit ausgestattet, diese Situationen zu meistern. Die Trauerverarbeitung hilft uns, alle möglichen Umstände und Ereignisse schadlos zu überstehen.
Die Trauer ist keine Krankheit, die man dementsprechend auch nicht behandeln kann. Im Gegenteil: Wird die Trauer nicht mit all den Gefühlen, die sie auslöst, durchlebt, sondern verdrängt, kann es zu ernsthaften körperlichen und geistig-psychischen Störungen kommen.
Trauer erfasst den Menschen in seinem ganzen Wesen und berührt alle seine Lebensbereiche.
Wichtig ist, dass die Trauer nicht in einem verschlossenen Kämmerlein alleine ausgelebt werden will, sie gehört wie alle anderen Lebensgefühle in die Öffentlichkeit, sie verlangt nach Gleichbehandlung gegenüber den anderen Gefühlen. Wie wir Menschen auch gleichberechtigt sein wollen.
Der Trauermonat November gibt dem Menschen eine bewusste Möglichkeit, sich dem Thema Trauer zuzuwenden. Die Gedanken an die Verstorbenen zu richten und auch an das bereits "Verstorbene" in uns zu sichten.
Er dient zur Einsicht in uns. Die oft dunkle oder neblige Jahreszeit lässt uns das Wesentliche vom Unwesentlichen trennen. Wenn die Natur sich in die Erde zurückzieht, um die Kräfte in den Wurzeln, in den Samen, in den Zwiebeln zu sichern, können wir dieses natürliche Vorleben auch an uns anwenden.
Eine natürliche Verarbeitung in der Trauerzeit hilft, sich besser wahrzunehmen, zu verstehen und zu akzeptieren.
Für diesen Weg ist jeder Mensch selbst verantwortlich. Es stehen viele Wege der Trauerverarbeitung offen. Es ist weniger wichtig, wo und bei wem eine Trauerverarbeitung anstrebt wird, wichtiger ist es, dass eine Trauerzeit zugelassen wird, Raum und Zeit freigehalten wird mit sich selbst zur Ruhe zu kommen.
In der Stille liegt die Kraft der Erkenntnis und der Wandlung.
Dann fühlt sich die alte, ehrwürdige Dame "Trauer" wahrgenommen, verstanden und akzeptiert und erhält die Möglichkeit ihrer Zwillingsschwester, der Lebensfreude die Hand zu reichen.
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